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Zebrastreifen-Hochzeitskleid (ersom, 21.08.02, 09:36)Lieber Doc Sommer, mich (A. aus GPunkt, 33 J.) plagen einmal mehr meine Träume. Albträume, um genau zu sein. Es handelt sich dabei um folgende, immer wiederkehrende Problematik: Mein Hochzeitskleid! Lassen Sie mich zur Erläuterung des Geschehens etwas ausholen: Mein Verlobter (R. aus E., 29 J.) und ich planen im Laufe des nächsten Jahres (oder auch sonst irgendwann) in den heiligen Stand der Ehe zu treten. Nun scheint dieses Thema mich im Unterbewusstsein doch so stark zu beschäftigen, dass ich immer wieder von dem großen Freudentag träume. An sich nichts Schlimmes. Doch in letzter Zeit werden die Träume immer wilder und chaotischer und haben außerdem einen leicht negativen Beigeschmack. So träumte ich beispielsweise vor wenigen Wochen, dass der große Tag endlich gekommen sei, ich jedoch gänzlich darauf unvorbereitet war. Es war schon gegen Mittag (die Trauung sollte um 14.00 stattfinden) und ich hatte noch nicht einmal meinen Hinterkopf modelliert (ich saß mit strähnigem Haar und in Kittelschürze "Mrs. Flodder"- mäßig am Küchentisch und hielt eine Kippe in der Hand) geschweige denn ein Hochzeitskleid besorgt! Die Zeit lief mir davon, es gab noch Unzähliges zu erledigen und von den Meinen erhielt ich nicht die geringste Unterstützung. Also zog ich hektisch und eingeschnappt gegen 13.20 Uhr alleine los, um endlich wenigstens ein Kleid zu erwerben, geriet aber wohl offensichtlich in das völlig falsche Geschäft, denn hier gab es nur Kleider zur Auswahl, deren Tragen sich eher für einen Besuch in einem Nachtclub als für einem Besuch in der Kirche - zumal zur eigenen Trauung - eigneten (ich wollte an meiner Hochzeit nicht wirklich ein Kleid mit Spaghettiträgern und Zebrastreifen tragen...). Zum Glück klingelte der Wecker und rettete mich aus meinem Fiasko. Selbstverständlich war ich den ganzen Tag über wie gerädert und konnte an nichts anderes mehr denken. Und natürlich vertraute ich mich meinem besten Freund an, der mir sofort versicherte, dass es zu einer solchen Situation im wirklichen Leben niemals kommen könnte, denn er höchst selbst würde sich darum kümmern, dass alles zur rechten Zeit erledigt werden würde. Er wollte sich um Friseur und Visagistin kümmern (in meinem Alter unerlässlich) und nicht zu guter Letzt mit mir schon Wochen vorher das Kleid aussuchen gehen. Lieber Doc Sommer, Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was für eine ungeheure Erleichterung das für mich brachte. Ich glaubte mich beruhigt und blickte zuversichtlich auf die folgenden Nächte. Eine Zeitlang ging auch alles gut. Aber Sie ahnen es sicher schon: Das war natürlich noch längst nicht das Ende vom Lied... Heute Nacht also kam die Fortsetzung. Der Traum begann damit, dass ich sah, wie mein Verlobter und ich durch ein Spalier von Menschen zur Kirche schritten und diese betraten. Da erst bemerkte ich, was ich trug: Die ältesten und ausgelatschtesten Straßentreter, die man sich nur vorstellen kann! Dazu eine beigefarbene Jeans (nicht mehr wirklich ganz sauber) und jetzt kommt's: Ein selbstgenähtes beigefarbenes, zu kurz geratenes, furchtbar altmodisches Mäntelchen mit Puffärmeln und einer verschnörkelten wattierten Zierstepperei (!!!) auf dem Rücken!!! So etwas trug man noch nicht mal zu Zeiten von Live Aid, ohne dass es einem peinlich gewesen wäre, und das will schon was heißen! Lieber Doc, Sie mögen jetzt vielleicht denken, dass es Schlimmeres gibt auf der Welt, ich bin jedoch mit meinem Bericht noch längst nicht fertig. Der absolute Hammer kommt erst noch! Unter den Menschen im Spalier befanden sich beileibe nicht nur Verwandte, Bekannte und Freunde, sondern auch Fremde in Form von Kirchenchormitgliedern o.ä. Als mein Verlobter und ich also in trautem Glück einhergehen bemerke ich, dass mich eine Enddreißigerin abschätzend (und wie ich meine durchaus auch abwertend) von oben bis unten mustert und spitz bemerkt: "Ihr zwei seid aber auch nicht vom gleichen Jahrgang.". Was soll ich dazu bitte noch sagen?!? Ich entscheide mich für ein lahmes: "Nein, warum?" (schlagfertig war ich noch nie), worauf ich die schnippische und knappe Antwort erhalte: "Na, DAS sieht man auch!". Lieber Doc Sommer, ich denke Sie können vielleicht wenigstens ansatzweise die Empörung nachempfinden, die in mir hochkam. So etwas FRECHES war mir ja in meinem ganzen Leben noch nicht untergekommen! Mir fehlten schlicht die Worte. Aber zum Glück rettete mich auch diesmal der Wecker und bewahrte mich so davor, ausfallend werden zu müssen. Trotz allem plagt mich jetzt natürlich die Angst vor den kommenden Nächten. Was werden Sie mir bringen? Was wollen mir diese Träume überhaupt sagen? Wo liegt mein Problem? Können Sie mir helfen? Oh, ich hoffe es so sehr! Eine Ihnen sehr ergebene, in Zukunft vermutlich an Schlafstörungen leidende A. aus GPunkt |
updated: 28.10.03, 11:21
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